Depression oder Burn-Out?

Depression oder Burn-Out

Depression oder Burn-Out?
Von Symptomen und Ursachen, Hennen und Eiern und der Frage, wie man eigentlich den verdammten Müll runterbringen soll…

Energie- und Antriebslosigkeit. Innere Leere. Körperliche Beschwerden, Appetitlosigkeit. Schlafstrungen. Motivationstief. Keinen Bock mehr. Auf Aufstehen. Auf Arbeit. Auf Leben. Und dann die Frage: „Habe ich jetzt einen Burn-Out oder eine Depression?“

Das Leben ist ja voll mit komplizierten Fragen. Das ist eine davon. Und über diese Frage bin ich in den letzten Wochen immer häufiger gestolpert. Sowohl in direkten Gesprächen als auch im virtuellen Austausch mit anderen kränkelnden Seelchen.

Man könnte mit den Schultern zucken und antworten: Ist doch völlig egal, solange die Symptome richtig behandelt werden.

Aber scheinbar ist die Antwort doch irgendwie wichtig. Sonst würden ja nicht so viele Menschen die Frage stellen.

In meinem Fall gingen Burn-Out und Depression so nahtlos ineinander über, dass ich diese Henne-und-Ei-Frage eigentlich gar nicht mehr beantworten kann. Depressive Phasen hatte ich bereits in meiner Kindheit. Das Gefühl ausgebrannt und ohne Energie zu sein auch schon während meiner Schulzeit. Berufs- und persönlichkeitsbedingt fand ich mich bereits zweimal in einem Zustand wieder, den mal allgemein als Burn-Out bezeichnet.

Das Eine bedingte hier das Andere und das dann wieder das Eine. Kreislauf.
Das Gefühl des Ausgebranntseins machte mich traurig und depressiv. Die Depression – bzw. das Verstecken der damit verbundenen Symptome – kostete mich Kraft, bedeutete Stress und verbrauchte alle Ressourcen bis zur kompletten Leere. Ein dunkler Kreislauf, der jahrelang in nur eine Richtung führte: nach unten.

Wer sich in diesem Abgrund befindet, sucht nach Ursachen. Nach den Gründen dafür, warum es plötzlich so schwer fällt, die Mülltüte runterzubringen und die Wäsche zu waschen. Nach den Hintergründen der Energielosigkeit. Nach Erklärungen für die Unlust auf Essen. Spaß. Tanzen. Sex. Auf alles.

Und obwohl das Wort Burn-Out in den Medien oft in inflationärer Häufigkeit als Schlagwort fällt, wenn es mal wieder um die Themen Überstunden und Unterbesetzung geht, so ist die Anzahl der geleisteten (Mehr)Arbeit keinerlei Indikator für das Risiko, einen Burn-Out zu erleiden. Trotzdem wird das Phänomen Burn-Out immer gern im Zusammenhang mit der Erwerbstätigkeit und den am Arbeitsplatz herrschenden Umständen gebracht. Stress, mangelhafte Wertschätzung und unerfüllte Erwartungen sind hier die Hauptauslöser.

Stress entsteht immer dann, wenn unsere Ressourcen nicht mehr ausreichen, um den Anforderungen, die an uns gestellt werden, zu genügen. Stress entsteht aber auch durch permanente Angst. Durch Bedrohung. Durch das Gefühl der Wehrlosigkeit.

Deswegen halte ich die Frage „Habe ich jetzt eine Depression oder einen Burn-Out?“ weniger für eine Frage nach der Symptomatik. Sondern eher für eine Frage nach der Ursache.

Working hard for something we don’t care about is called stress.
Working hard for something we love is called passion.
(Simon Sinek)

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Symptomatik bei Depressionen und Burn-Out eine ähnliche ist.
Doch wo im Falle einer Depression die Ursachen oft diffus, ungreifbar und verschlüsselt in den Tiefen unseres Bewusstseins rumoren, so sind sie bei einem Burn-Out greifbarer und offensichtlicher:

Stress. Im Job. In der Familie. In der Partnerschaft. Der rücksichtslose Chef. Mobbende Kollegen. Die ehemals so große Motivation, die sich nun, nach vielen Enttäuschungen, vor Schmerzen zum Zynismus zusammengekrümmt hat und nun dafür sorgt, dass einem alles, aber auch alles egal ist. Der Leistungsdruck unter den man sich selber setzt. Die Anerkennung, die doch immer nur die anderen bekommen. Ein trostloses Büro oder ein vergiftetes Arbeitsklima, in dem man den Großteil seiner Lebenszeit verbringt. Aufgaben, Werte und Ziele, mit denen man sich nicht identifizieren kann.

Es ist nicht von der Hand zu weisen: diese Dinge machen krank. Sie zermürben.
Das ist die schlechte Nachricht. Und jetzt die gute:
Man kann auf diese Dinge mit dem Finger zeigen, ihnen Namen geben und sie dann verändern.

Ich habe im letzten Jahr sehr klar erkannt, welche Faktoren in meinem bisherigen (Arbeits)Leben zu meinen Burn-Outs geführt haben. Diese Faktoren zu benennen, zu analysieren und nach Alternativen zu suchen, hilft mir jetzt dabei, mir langsam aber stetig ein (Berufs)leben aufzubauen, in dem ich wieder Spaß an meinem Job habe und leistungsfähig bleibe. Es gibt nun klare Regeln. Für mich und für die Menschen, mit denen ich arbeite. Regeln, die dafür sorgen, dass für mein Wohlbefinden gesorgt ist. Denn mein Wohlbefinden ist die Voraussetzung für meine gute Arbeit.

Meine Depressionen sitzen tiefer. Sie haben ihre Ursachen in sehr komplexen Sachverhalten, an denen ich mit der Hilfe anderer Menschen noch lange knabbern und herumwurschteln werde.
Sie sind wie dunkle Wolken, die sich zu Unwettern zusammenschieben, immer wieder. Ohne, dass ich sie daran hindern kann. Ich kann das Wetter nicht beeinflussen. Ich kann nur lernen, wie man einen verdammten Schirm aufspannt und dann wie ein grobmotorischer Gene Kelly im Wolkenbruch tanzt.

Meine Burn-Outs hingegen waren eher das Monster unterm Bett. Wenn man sich erstmal traut, es an der Gurgel zu packen, ihm in die Augen zu schauen und ihm zu sagen, wer jetzt hier der Boss ist, kann man mit ihm fertig werden. Auch das ist nicht leicht. Aber was ist schon leicht im Leben?

Deswegen bringe ich jetzt meinen Müll runter…

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